Standortbezogenes Konzept
zum Modellversuch

„Niederösterreichische Mittelschule/ NÖ Schulmodell“
gemäß § 7a des Schulorganisationsgesetzes
Partnerschule: ORG Ternitz

1. Organisatorisches Konzept

1.1. Organisation

Übertrittsvoraussetzung in unsere Schule ist der positive Abschluss der 4. Klasse Volksschule. (Allfällige Integrationsmaßnahmen sind von dieser Bestimmung nicht betroffen.)

Der Unterricht erfolgt im Fachlehrersystem. Ein gemeinsames Unterrichten von HS- Lehrern/innen und Lehrern/innen der Partnerschule ist vorgesehen. Ab der 7. Schulstufe wird eine vertiefte Zusammen­arbeit mit unserer Partnerschule angestrebt.

Nach der 6. Schulstufe kann der Schüler/die Schülerin zwischen dem allgemeinbildenden und dem berufsorientierten Bereich wählen. Für den Übertritt in den allgemeinbildenden Bereich ist eine positive Beurteilung nach dem Lehrplan des Realgymnasiums in allen Gegenständen Voraussetzung.

1.2. Lehrplanausweisung

Unterricht und Leistungsbeurteilung erfolgen nach dem Lehrplan der allgemeinbildenden höheren Schulen. Der Inhalt der „Mittelstufenlehrpläne“ soll durch die Betonung des ganzheitlichen Aspekts der Volksschullehrpläne ergänzt werden. Dies soll einen gleitenden Übergang zum Fachlehrersystem mit einer möglichst geringen Anzahl von in einem Jahrgang eingesetzten Lehrerinnen und Lehrern ermöglichen.

Bei drohenden negativen Beurteilungen und nach Ausschöpfung aller Fördermöglichkeiten können die Erziehungsberechtigten in einzelnen Unterrichts­gegenständen eine Beurteilung nach dem Lehrplan der Hauptschule verlangen. In diesem Fall ist im Zeugnis der Passus „Beurteilt nach dem Lehrplan der Hauptschule“ mit einer entsprechenden fiktiven Leistungsgruppenzuordnung in D, E und M zu vermerken. Lehrplanabstufungen sollen frühestens in der 6. Schulstufe vorgenommen werden.

Interessen- und berufsorientierte Mittelschule (7./8. Schulstufe):

Schüler/innen, die eher einen unmittelbaren Einstieg in eine berufsbildende Schule oder in die Berufsausbildung (Berufsbildende höhere/ mittlere Schule, Polytechnische Schule/ Berufsschule) anstreben, wählen die interessen- und berufsorientierte Mittelschule. Es gelten die Lehrpläne der 7. und 8. Schulstufe des Realgymnasiums bzw. in Analogie zu den Bestimmungen zur 5. und 6. Schulstufe die Lehrpläne der Hauptschule.

Innerhalb der interessen- und berufsorientierten Mittelschule werden konzentrierte Maßnahmen der Berufsorientierung und der Vorbereitung zum Besuch von weiterführenden Schulen im berufsbildenden Bereich gesetzt.

Realgymnasium/Gymnasium (7./8. Schulstufe):

Nach der 6. Schulstufe besteht für Schüler/innen mit den entsprechenden Berechtigungen die Möglichkeit, in einem allgemeinbildenden Zweig nach dem Lehrplan des Real­gymnasiums/Gymnasiums (Allgemeinbildender Bereich) unterrichtet zu werden. Schüler/innen, die eine allgemeinbildende Oberstufenform anstreben, wählen diesen Bereich.

1.3. Partnerschulkonzept

Ab der 5.Schulstufe wird Französisch als Freigegenstand und ab der 7.Schulstufe als Pflichtgegenstand angeboten um einen reibungslosen Übertritt in die Partnerschule oder in ein anderes ORG zu ermöglichen. Weiters wird parallel dazu ab der 7.Schulstufe ein Lernfeld Kreatives gestalten ( BE,TW/TXW) angeboten, hier soll eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Partnerschule erfolgen, deren Schwerpunkt im kreativen Bereich liegt.

Zentrales Ziel der Zusammenarbeit mit unserer Partnerschule ist, die Leistungs- und Anforderungsprofile der beiden Schultypen besser zu verdeutlichen und daraus entsprechende Schlüsse für den konkreten Unterricht zu ziehen.

Darüber hinaus sind ab der 7. Schulstufe folgende konkreten Maßnahmen geplant:

  • Führung eines Wahlpflichtfaches „Vorbereitung auf den Übertritt in eine weiterführende Schule“ als verbindliche Übung über zumindest 1 Schuljahr.
  • Wahlpflichtfächersystem in der 8. Schulstufe, das jedenfalls den Bereich „Vertiefende Auseinander­setzung mit naturwissenschaftlichen Grundlagen“ (als Vorbereitung für den Übertritt in technische Schulen) zu enthalten hat.
  • Trainingskurse zur Erreichung der Bildungsstandards in Deutsch, Englisch und Mathematik

1.4. Leistungsbeurteilung

Die Leistungsbeurteilung in den Modellschulen erfolgt ergänzend zu den Ziffernnoten unter folgenden Gesichtspunkten:

  • Direkte Leistungsvorlage („Leistungsportfolios“): Diese Portfolios werden bereits in der 4. Volksschulklasse initiiert und vorbereitet und in der Mittelschule fortgeführt.
  • Objektivierung der erbrachten Leistungen durch Orientierung an den Bildungsstandards (zumindest in den Gegenständen M, E, D).
  • Individualisierende Formen der Leistungsfeststellung (Lernzielkataloge, Pensenbuch …)
  • Differenzierende Leistungsbeschreibung: Zweimal pro Jahr hat auf der Basis der Leistungs­portfolios, der Standardüberprüfungen und der sonstigen Leistungsrückmeldungen eine differenzierende Leistungsbeschreibung für jeden Schüler/jede Schülerin zu erfolgen. Diese Leistungsbeschreibung ist in entsprechender Weise Schülern/innen und Eltern zu kommunizieren. Dabei sollen die Schüler/innen eine entscheidende kommunikative Rolle spielen. Diese neue Form der Leistungsrückmeldung ersetzt die bisherigen Elternsprechtage.

2. Standortbezogene Entwicklungsarbeit im pädagogischen Bereich

Alle standortbezogenen Maßnahmen im Unterrichtsbereich streben ein ausgeprägtes und erkennbares System der Individualisierung und Differenzierung des Unterrichts an.

Im Einzelnen sind von der Schule folgende Umsetzungsmaßnahmen geplant:

Schülerzentriertes Arbeiten als wichtiger Unterrichtsgrundsatz

Wir streben in allen Bereichen des Unterrichts Lernen an differenzierten Aufgabenstellungen in offenen Lernsituationen an. Unterschiedliche Begabungen der Schüler/innen sollen bewusst wahrgenommen und in konkrete Unterrichtsmaßnahmen umgesetzt werden. Wir streben bewusst einen hohen Grad an Vielfalt an, der seinen Niederschlag sowohl in den Unterrichtskonzeptionen als auch in der Schulstruktur findet.

Folgende konkrete Maßnahmen sind geplant:

  • Selbstständiges Lernen als Unterrichtsgrundsatz in Doppelstunden
  • Projektorientiertes, fächerübergreifendes Arbeiten über einen längeren Zeitraum
  • Eigene Zeitblöcke im Unterricht für offenes Lernen
  • Veränderung der Unterrichtseinheit auf 45´um zusätzliche Unterrichtsangebote für Interessens- und Begabungsförderung zu gewinnen.
  • Schuleingangsphase um soziale Kompetenzen zu fördern und zu stärken
  • Aufbau eines Helfersystems gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern
  • Portfolioarbeit in mehreren Gegenständen
  • Gezielte Unterstützung von Schülerinnen und Schülern bis zur Einzelbetreuung

Die Konkretisierung dieser Maßnahmen wird zweimal pro Semester koordiniert und nachvollziehbar dokumentiert.

Projektorientierter Unterricht

Projektunterricht soll ein wichtiger Bestandteil der Unterrichtsplanung werden. Dieser kann in Blockform oder über einige Wochen verteilt, jahrgangs- oder klassenübergreifend erfolgen. Das Lehrerteam erprobt einige Umsetzungskonzepte in den ersten Jahren des Modellversuchs, Arbeitsportfolios der Schüler/innen als Projektergebnis werden angestrebt. Projektpräsentationen werden als Abschluss sowohl klassenintern als auch vor einem größeren Auditorium durchgeführt.

Am Ende des Projektes Evaluation durch den Projektleiter.

Angebot an Wahlmöglichkeiten und Kurssystemen, vor allem auch unter dem Aspekt der Begabungsförderung, auch schulstufen- oder schulübergreifend.

Im Rahmen der Interessen- und Begabungsförderung sollen vielfältige Kursangebote mit freier Wahlmöglichkeit angeboten werden. Ab der 7. Schulstufe soll in Absprache mit Schüler/innen und Eltern ein differenziertes Wahlpflichtangebot erstellt werden. Dieses soll jedenfalls eine zweite Lebende Fremdsprache enthalten.

Durch neue Zeitstrukturen ( 50 Minutenstunde auf 45 Minutenstunde) wird eine Vielzahl von Kursangeboten ermöglicht, die die Schüler frei wählen können.

Aufbau von Förder- und Stützsystemen

Das bisherige Förderprogramm der Schule wird beibehalten bzw. ausgebaut. Es sieht im Einzelnen folgende Maßnahmen vor:

  • Fördermöglichkeit für schwache Schüler in der Schuleingangsphase – Kursform
  • je eine Förderstunde in D,M,E in allen Schulstufen
  • Leistungstärkere Schüler helfen leistungsschwächeren Schülern
  • Nachhilfesystem: Schüler aus den vierten Klassen helfen Schülern aus den ersten Klassen

In den Gegenständen D., E und M sollten genaue Lernzielkontrollen und darauf aufbauende individuelle Förderprogramme die Erfüllung von Mindestanforderungen in diesen Gegenständen sicher stellen.

Zweilehrersysteme, vor allem in größeren Klassen und in den Schularbeitsfächern (D, E, M).

Der Unterricht in den Gegenständen D, E und M erfolgt im Zweilehrersystem. Dies soll eine möglichst individuelle Betreuung jedes Schülers/ jeder Schülerin sicherstellen. Weiters ist unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Lehrerressourcen auch Teamteaching in jeden Fächerkombinationen, die fächerübergreifend konzipiert sind, vorgesehen.

Neue Zeitstrukturen der Unterrichtsorganisation

Der Unterricht wird – wo immer organisatorisch möglich – in Doppelstunden organisiert.

Unterrichtsbeginn: ½ Stunde Schuleingangsphase, anschließend Doppelstunde /große Pause/ Doppelstunde/ große Pause/Doppelstunde.

Die Unterrichtseinheit wird von 50 Minuten auf 45 Minuten gekürzt. Die erhaltenen Zeitressourcen werden für die Schuleingangsphase, zusätzliche Förderangebote und Kursangebote genützt.

Mindestens 2 mal pro Unterrichtsjahr auflösen des Stundenplans für eine Woche um eine umfassende Thematik in allen Gegenständen projektorientiert abzuhandeln.

Bildung von kleinen, überschaubaren Lehrerteams

Beim Lehrereinsatz wird darauf geachtet, dass Jahrgangkernteams mit Lehrern/innen mit möglichst großer Stundenanzahl – geprüfte Gegenstände, Förderunterricht, fächerübergreifender Unterricht, freie Lernphasen, Projektunterricht, Interessen- und Begabungsförderung – gebildet werden. Dies soll klarere Verantwortungszuordnung für Unterrichts- und Erziehungsarbeit ermöglichen. Unterrichtsplanung und – dokumentation sollen dadurch erleichtert werden. Die Kernteams werden namentlich nachvollziehbar für alle Jahrgangsklassen ausgewiesen.

3. Pädagogische Schwerpunktsetzungen

Das Konzept soll gute Rahmenbedingungen für die Umsetzung pädagogischer Innovationen im Hinblick auf den gemeinsamen Unterricht von Schülerinnen und Schülern nach der 5. Schulstufe schaffen.

Individualisiertes Lernen forcieren

„Planarbeit“ in bestimmten festgelegten Stunden der Woche (Übungsaufgaben, Wiederholungen, Kreativaufgaben zu den Fächern D, E, M) soll Wiederholen für schwächere und besonders anspruchsvolles Arbeiten für unterschiedlich begabte Schüler/innen ermöglichen.

Fächerübergreifendes Arbeiten ermöglichen

  • Ein- bis zweimal pro Jahr fächerübergreifende Projekte in der Dauer von vier bis sechs Wochen
  • Zusammenfassen „verwandter“ Fächer in Lernbereiche

Zusatzangebote bieten

  • „Freie Vorhaben“ für Begabte, von Lehrern/innen betreut
  • Praktika in Kindergärten, Betrieben und sozialen Einrichtungen ab der 7. Schulstufe
  • „Werkstättenarbeit“
  • Regelmäßige Theater-, Musik- und Kunstprojekte/-präsentationen
  • Sprachreisen
  • Fortsetzen von internationalen Umweltprojekten mit unserer Partnerschule in Kroatien.
  • Angebote von Ostsprachen in Kursform
  • Vielfältiges Angebot von Sportarten unter anderem auch in Zusammenarbeit mit Vereinen

Neustrukturierung der schulischen Lernzeiten vorsehen

  • Doppelstunden als Grundsatz in (möglichst) allen Gegenständen
  • Strukturierung des Unterrichts in 90’ – Einheiten
  • Überlegungen zur besseren „Rhythmisierung“ des Schultages

Arbeit in Lehrerjahrgangsteams

  • Einsatz möglichst kleiner Lehrer/innenteams in den einzelnen Schulstufen
  • Team – Teaching
  • Besondere Aufgabe der Klassenvorständin / des Klassenvorstandes
  • Individuelle Betreuung einzelner Schüler/innen

4. Weitere Schwerpunkte des Standortes im Bereich der Schulentwicklung und des Unterrichts

Über die konkreten Schwerpunktsetzungen im Bereich des Niederösterreichischen Schulmodells hinaus arbeitet die Schule an folgenden weiteren standortspezifischen Schwerpunktsetzungen

  • Englisch als Arbeitssprache
  • Schwerpunkt – Sportorientierung: Verstärkte Zusammenarbeit mit Sportvereinen, die als Unterstützung Trainer zur Verfügung stellen.
  • Begabungs- und Begabtenförderung in Kursform schulstufenübergreifend
  • Entwicklungen im naturwissenschaftlichen Bereich: Internationales BU Projekt mit Kroatien
  • Entwicklungen im künstlerisch – kreativen Bereich in Zusammenarbeit mit der Partnerschule
  • Sprachenkonzept (Französisch wie oben beschrieben, Ostsprachen
  • Informationstechnologie ab der 5.Schulstufe je eine Wochenstunde
  • Berufsorientierung in 7.u.8.Schulstufe (Wahlpflichtfach,Kurssystem)

Stundentafel:

Schule: Mittelschule Felixdorf - NÖ Modellschule
  1. Kl. 2. Kl. 3. Kl. 4. Kl. Summe
R 2 2 2 2 8
D 4 4 4 4 16
E 4 4 4 3 15
GSP - 2 2 1 5
GW 2 1 2 1 6
M 4 4 4 4 16
GZ integriert in M 0
BU 2 2 2 1 7
CH - - - 1 1
P - 1 2 2 5
ME 2 2 1 1 6
BE 2 2 1 2 7
WTc/WTx 2 2 0 1 5
BSP 4 3 3 3 13
BO integriert in GW 0
2. Fremdsprache od.
Wahlpflichtfach
- - 3 3 6
Informatik 1 1 1 1 4
Summe 29 30 31 30 120

5. Evaluierung

Die Qualitätssicherung und Evaluation an den Standorten erfolgt intern durch geeignete Maßnahmen der Selbstevaluation und darauf aufbauenden Entwicklungsmaßnahmen. Regionale Qualifizierungsmaßnahmen und schulübergreifende Qualitätsarbeit sind begleitend vorzusehen.

Die regionalen externen Evaluationsvorhaben sind mit den Schwerpunkten der Bundesevaluation abzustimmen.

Wissenschaftliche Begleitung, Evaluation und Qualitätssicherung auf Landesebene erfolgen durch den Landesschulrat für Niederösterreich in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich sowie durch Netzwerkbildung und Erfahrungsaustausch zwischen den Pilotschulen. Hier wird auch eine Zusammenarbeit mit bundesweiten Initiativen des BMUKK (Innovative Schulen im Verbund, net-1) angestrebt.

Im Sinne einer Auswertung der Erfahrungen des Modellversuchs nach bundeseinheitlichen Kriterien wird an bundesweiten Arbeitsgruppen und an allfälligen Erhebungen unter der Leitung des BIFIE mitgewirkt. Für die übergreifende Evaluation nach bundeseinheitlichen Kriterien werden dazu Daten und Informationen bereitgestellt.

 

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